Station 4: Großstadt pur

Von : Anke Ernst (Die Welt ist Ernst) | Veröffentlicht am Donnerstag, 15. Juli 2010
Hongkong hat mich erschlagen. Hongkong mit seinen geschätzten sieben Millionen Einwohnern, die irgendwie nie schlafen. Selbst nachts um elf kann man noch einkaufen gehen. Man hört immer Autos hupen, immer Verkehrslärm, ununterbrochen geht der Presslufthammer, überall tropft es von den Hochhäusern runter, weil die Klimaanlagen auf vollen Touren laufen. Mein Zimmer war winzig, hatte Ventilator und Klimaanlage. Aber der Ventilator ließ sich nicht klein stellen, ebensowenig die Klimaanlage, also was tun? Sich erkälten. Oder Hitze- und Lärmtod sterben. Ich habe beides gemacht.


Ich verstand nichts, und das ist für eine Sprachenliebhaberin sehr hart. Man kann an den chinesischen Zeichen ja nicht mal annäherungsweise erraten, um welches Wort es sich handeln könnte. Da lobe ich mir die lateinischen Buchstaben. Oder wenigstens ein Alphabet in irgendeiner Form.


Ich glaube wirklich, dass das sogenannte chinesische Essen in Deutschland extra für europäische Stäbchenesskunst gekocht wird. Nicht so in China, da wird keine Rücksicht genommen. Mélanie wurde dann auch von der sich freundlich kaputtlachenden Kellnerin mit okzidentalischem Besteck versorgt. Ein Friseurbesuch stellte sich als Desaster heraus, daher vorläufig keine Fotos von mir, bis ich eine für Westler kompatible dunkelblonde Haarfärbung gefunden habe.

Gehe niemals Mittwochs in Hongkong zum Friseur, denn dieser wird nur auf den Ausgang der Pferderennen konzentriert sein.

Überall Elektronik, auch unglaubliche Massagesessel zum Ausprobieren. Wenn ich meinen ersten Bestseller draußen hab, dann kaufe ich mir so ein Ding. Mein treuer Freund, der MP3-Player, ging pünktlichst kaputt, so dass ich das Elektroangebot wenigstens im Kleinen ausnutzen konnte. Lady's Night bedeutet dort wirklich Lady's Night. Kein Eintritt zahlen und alle Getränke umsonst kriegen. Nicht schlecht.

Freakiges Piano.

Überall Kameras, so dass für Sicherheit, aber auch für Spionage gesorgt wird. Während man auf den schneckengleichen Fahrstuhl des Hostelgebäudes wartet, kann man nebenbei die Menschen darin beobachten. Wenn sie dann rauskommen, stellt sich von der eigenen Seite aus ein gewisses Bekanntheitsgefühl ein. Ein paar Flirtversuche konnte ich auch schon bezeugen. Ist ein bisschen wie eine Live-Telenovela. Und wenn man selbst drin ist, kommt man sich vor wie ein Star. Ein bisschen posen vor den Fahrstuhlknöpfen, ein bisschen posen in der gegenüberliegenden Ecke. Autogramme wollte aber niemand von mir.

Momente der Stille lassen sich an einer Hand abzählen: Ein Besuch im Park und eine französische Gartensendung über unterschiedliche Gurkensorten auf TV5.

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